Unser Manifest
Gehe durch die Straßen und schaue Dich genau um. Was siehst Du? Immer schneller, immer billiger:
Corporate Identity, Wiedererkennungswert, Selbstähnlichkeit, Branding und Labeling, Viral Marketing, Privatisierung öffentlichen Raumes, Gentrifizierung der Städte, Verdrängungsprozesse – Immer schneller, immer billiger: Jetzt neu nach uraltem Rezept.
Vereinheitlichung einerseits, geplante Individualisierung andererseits.
Es wird des Profites und nicht des Bedürfnisses wegen geplant, gestaltet, gebaut. Trotz immensen Leerstandes. Und so bekommen wir austauschbare Gebäude. Denn ein Gebäude, das überall stehen könnte, steht überall falsch.
Doch nicht nur die Gebäude, vieles Andere: Straßenlampen, Ampeln, Möbel, Briefkästen, Zahnbürsten, Kameras, die Straßen selbst… oft charakterlos und unzweckmäßig.
Fernab davon gibt es eine unzensierte, lebendige Art der Gestaltung, an der jeder mitwirken kann. Sie ist zweckmäßig, bedarfsorientiert, zeitlos. Manchmal aus reiner Lust, manchmal aus der Not heraus. Sie entsteht oft unbewusst und bleibt genauso oft unentdeckt. Es ist eine Gestaltung unserer Umwelt, die anonym geschieht. Ohne Anspruch auf Bekanntheit und Sekundärwirkungen wie Personenkult, Erfolg und Reichtum. Es geht um Lebensqualität, darum, die eigene Umgebung selbst zu bestimmen und zu verändern.
In Eigeninitiative werden Rampen an Fußgängerübergängen gegossen, Haltegriffe an Ampeln geschraubt, Blumenrabatte in Baumscheiben gepflanzt, entstehen Trampelpfade in Parks, die nicht geplant und gebaut wurden – trotzdem sind sie entstanden, da sie an genau jener Stelle richtig und somit wichtig sind.
Es sind diese Veränderungen die unsere ansonsten so geplante Umwelt ausmachen. Trotz der fortschreitenden Globalisierung sehen diese “Eroberungen der Umwelt” von Land zu Land unterschiedlich aus. Diese Veränderungen sind Ausdruck von Identität! – Deiner Identität; sei es dass Du sie gemacht hast, sei es Dir sind sie aufgefallen. Wenn Du die Abwandlung überzeugend fandest, wendest Du sie vielleicht demnächst an (– kein Problem, da es eine Anonyme Gestaltung ist, hast Du nichts zu befürchten –). Morgen wirst Du vielleicht, durch Deine Beobachtungen etwas völlig Neues machen, und es wird Dich freuen zu sehen, dass Jemand anderes dasselbe tut. Gestalte Deine Umwelt mit, nur dann bist Du ein Teil von ihr.
Was sind die Quellen unserer Gestaltung? Neueste Plug-Ins der von uns genutzten Programme? Das Trendmagazin zu unserem Gestalterberuf, ganz egal, ob sie sich „Page“ oder „I-D“ schimpfen? Nicht der Trend ist Grundlage unserer Inspiration, sondern der Nutzen, die Funktion, der Bedarf, der Zweck.
Die Anonymen Gestalter möchten diesen Dingen eine Bühne geben, sie suchen und finden und sie ins Rampenlicht stellen. Um zu zeigen, wie einfach und facettenreich gute Gestaltung sein kann.
Hallo ihr anonymen Gestalter,
wir waren auch bei Designers Fair in Köln dabei und waren echt begeistert vom Auftritt der Anonymen Gestalter. Nicht kommerziell durch Anonymität. Wir als Planer merken dauern wie viel nicht planbar ist.
Und was planbar ist, aber noch lange nicht so wie “man es sich vorgestellt hat”. Und wie viel spannender sind die Entwicklungen, die nicht vorhergesehen sind und die aus einer gewissen Not, aus Spontanität und durch Improvisation entstehen. Und wie so manches sich verselbstständigt. Vor allem in der Architektur und Stadtplanung, aber natürlich auch privat zu Hause. Selbt immer mit der Kamera unterwegs sieht man Dinge anders, oder man sieht andere Dinge. Wie auch immer. Auf jeden Fall sehr klasse. Auch die zehn Thesen!! Beim nächsten Mal in Köln schaun wir auf jeden Fall in der neuen Galerie vorbei!
Gruß aus Trier
Monika